ZKBÖ Magazin PLUS Monica Culen
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Ein Lachen, das Türen öffnet

Zu Besuch bei Monica Culen in Mühlheim am Inn

Wir sitzen auf der Terrasse des von ihrem Großvater vor mehr als hundert Jahren erworbenen Familiensitzes in Mühlheim. Mitten im Paradies ihrer Kindheit, wie Monica Culen, mit einem verträumten Blick in den Garten meint:
„Andere Kinder fuhren mit ihren Eltern auf Urlaub, wir fuhren hierher nach Mühlheim, wann immer es die Zeit erlaubte. Und wir liebten diesen Ort, weil er von allen – Eltern, Tanten, Onkeln, Cousins und Cousinen – als offenes Haus gelebt wurde.“ Mühlheim bedeutet für Monica Culen auch heute noch Barfußqualität und, „dass ich mit der Natur und meiner Seele in Berührung bin“.
Was auffällt an diesem in seiner Schmucklosigkeit betörenden Landsitz ist, dass er vor allem als Ensemble besticht: mit seinem vorgelagerten Stall und seinem großen Garten. Man kann die unzähligen Verstecke der Kinder und ihr ausgelassenes Treiben beinahe greifen. Man kann aber auch erahnen, wie wichtig dieses Domizil war, als die Unternehmerfamilie in den Nachkriegsjahren wieder bei null beginnen musste. Die Art und Weise, wie ihre Eltern den mitunter steinigen Weg gegangen sind – „immer mit einem Sinn für Humor und die kleinen Momente der Fröhlichkeit, die das Leben ausmachen“–, behielt sie als etwas Besonderes in Erinnerung.
Als dann auch für die Kinder der Ernst des Lebens an die Tür klopfte und ihr Bruder langsam an die Übernahme des elterlichen Betriebs herangeführt wurde, empfand sich Monica Culen als „freigespielt, für einen Start unter der Wahrnehmungsgrenze“, wie sie sagt: „Ich konnte machen was ich wollte, es war herrlich.“
So begann alles leichtfüßig und unbeschwert. Und dann ging sie auf – die Tür zur großen Welt. Und diese eine Tür öffnete wie von Geisterhand eine andere, und so weiter. Trotz früher Heirat und zweier Kinder in sehr jungen Jahren. Sie war irgendwie kaum zu stoppen und überließ die Regiearbeit dem Zufall – zuerst als olympische Chefhostess bei den Sommerspielen 1972 in München. Von ihrer damaligen Chefin Silvia Sommerlath, der späteren Königin von Schweden, schwärmt sie in den höchsten Tönen. Genauso wie von ihrem nächsten Vorgesetzten, dem Generaldirektor des gerade neu gegründeten OPEC-Fonds, Ibrahim Shihata, über den sie endgültig die große Welt zu ihrem Wohnzimmer macht. Und doch: Ihr Schwärmen ist kein unkritisches, sondern das einer begierig Lernenden, die jede neue Herausforderung mit Begeisterung und einem Lachen meistert. Konferenzen, Empfänge, Geschäftsessen in Wien, Afrika, Südamerika und dem Mittleren Osten: „Es war eine unglaubliche Zeit, vielseitig, aufregend, ein ständiges Kommen und Gehen der gescheitesten Menschen der dritten und vierten Welt.“ 

ZKB-Magazin-MonicaCulen-3Rote Nasen Clowndoctors

Gemeinsam mit Giora Seeliger gründete Monica Culen 1994 die Organisation Rote Nasen Clowndoctors in Österreich, deren Geschäftsführerin sie bis 2011 war. 2003 gründete sie auch die Dachorganisation Red Noses Clowndoctors International und leitet bis heute als Vorstandsvorsitzende die Gruppe. Seit 1996 baute sie weitere Rote-Nasen-Organisationen in mittlerweile elf Ländern auf. 2004 übernahm sie den Vorsitz des Fundraising Verbands Austria (FVA). Für ihr soziales Engagement erhielt Monica Culen 2008 das silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Rote Nasen International wird beraten von der Zürcher Kantonal- bank Österreich AG.

Rote Nasen Clowndoctors
In diesen acht Jahren des Aufbaus einer NPO lernte Monica Culen alles, was sie für ihr nächstes Abenteuer benötigte. Ein Abenteuer, das ihr weiteres Leben prägen wird. Doch zuvor sollte noch einmal das schüchterne, kränkliche Mädchen an die Tür klopfen, das sie als Kind war. Es war im Jahr 1990 auf einer Konferenz der ETH Zürich in der Toskana – fragen Sie mich nicht, wie sie dorthin kam, Zufall: klar! –, als ihr ein Aufsatz von Michael Christensen, dem Gründer der Clown Care Unit, in die Hände fiel, der als erster ein regelmäßiges Clown-Programm für Kinder im Spital auf die Beine stellte und professionalisierte.
Bei dieser Lektüre kam die Angst zurück und das Gefühl des Alleinseins: die Lungenheilanstalt ihrer Kindheit, in der sie Monate verbrachte. Und doch fühlte sie sich magisch angezogen von diesem Text. Das Gefühl, in Berührung mit etwas zu sein, das auf eine ganze besondere Art und Weise wesentlich mit ihr zu tun hat – und mit der tief eingegrabenen Erfahrung, dass Lachen und Weinen zusammengehören.
Es scheint wie ein großes Augenzwinkern in ihrem Leben, dass die unbändige Energie, mit der Monica Culen in den nächsten drei Jahrzehnten die internationale Organisation der Rote Nasen Clowndoctors aus dem Boden stampft, auch von diesem zarten, lungenkranken Mädchen kommt. Denn der Weg, den sie nun gehen sollte, hatte nichts mehr vom polierten Parkett der internationalen Diplomatie. Er war zunächst steinig und verwinkelt und die gesellschaftliche Anerkennung ließ eine ganze Weile auf sich warten. „Die Widerstände waren anfangs massiv, auch weil das Lachen, das wir in die Krankenhäuser tragen wollten, als Angriff auf die Seriosität der medizinischen Disziplin gesehen wurde. Auf der anderen Seite zeigten schon die ersten Pilotversuche, was dieses Lachen für den Heilungsprozess und jede Zelle unseres Körpers bedeutet. Wir waren wie ein Lichtstrahl im dunklen Krankenhausalltag und er war sichtbar für jeden, der die Augen öffnete.“

Eine NPO wie ein Unternehmen führen
Das war das eine Prozent: Die Idee oder die Erkenntnis, dass die clowneske Kunst Menschen in Krisensituationen helfen kann, wenn sie von Krankheiten, Sorgen und Ängsten belastet sind und der ganze Körper in Panik verkrampft – weil Lachen Entspannung bedeutet, den Stresslevel sinken und die Hormone für einen Moment auf Entwarnung schalten lässt. Dieser eine Moment, der auch in der größten Verzweiflung möglich ist.
Dass in den folgenden Jahren auch auf die restlichen 99 % Transpiration nicht vergessen wird, dafür sorgt die immer einen Schritt weiterdenkende Unternehmerin in ihr. Monica Culen etabliert Fundraising als professionelle Disziplin, genauso wie die Arbeit der Clowndoctors, die auch deshalb so erfolgreich ist, weil darin künstlerische, psychologische und medizinische Aspekte zusammengedacht werden: „Unsere Kunst umfasst den Umgang mit verschiedenen Altersgruppen, Traumabewältigung, psychische Erkrankungen und auch die Funktionsweise von unterschiedlichen Krankenhausabteilungen. Wie betrete ich einen Raum? Wie spüre ich, was der andere braucht? Wie schaffe ich die Ausgewogenheit zwischen Nähe und Distanz? Und wie kann ich einen Raum so verlassen, dass ein Lächeln zurückbleibt. All das muss erlernt und geübt werden.“

»Humor kommtin jeder Zelle des Körpers an.«

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Weil nicht jeder, der sich lustig findet, schon ein Clown ist, wurde bald flankierend zur Praxis der Roten Nasen die Internationale Schule des Humors gegründet, die mittlerweile über 400 Clown-Künstler aus elf Ländern absolviert haben. Dort lernen die angehenden Lachpraktiker, wie sie ihre Identität als Clown entwickeln und ihrer Figur auch unter widrigsten Umständen eine Seele leihen. Die Augen unseres Gegenübers leuchten. Auf die Frage, was ihr Herz schneller schlagen lässt, antwortet Monica Culen, bevor wir sie stellen: „Wenn ich sehe, wie es funktioniert. In den unterschiedlichsten Kontexten. Wie diese ganz spezielle Kunst des Clowns die Menschen berührt und auch mich jedes Mal neu ergreift, obwohl ich schon so lange dabei bin. Mit einem Lachen, das nicht vordergründig ist, sondern aus der Magengrube kommend unsere innere Haltung verändert.“
Henry Miller hat einmal über seinen Clown August geschrieben, dass sein Lachen aus den Tränen geboren wurde. Diese Tränen gibt es nicht nur in Krankenanstalten oder in Altenheimen. Sie wohnen auch in Flüchtlingscamps auf der ganzen Welt, wo Menschen und vor allem Kinder sehnsüchtig darauf warten, dass sich eine Türe öffnet und ihr Leben beginnen kann.
Zaatari in Jordanien oder Moria Camp in Griechenland – es ist zum Haareraufen, aber zu verzweifeln, ist für die unverbesserliche Optimistin Monica Culen keine Option. Sie hat diesen Ort gefunden, an dem die Seele stark und nicht verletzlich ist. Und sie kann damit leben, dass die Arbeit für ihre Clowns nie beendet sein wird. Gut, dass die clowneske Kunst der von ihr geübten Praxis des Zen nahesteht – als Kunst des Augenblicks, in dem das Außen seine Bedrohung verliert. Einen Moment lang nur, aber eben lange genug.
So reiht sich Augenblick an Augenblick und lässt die Zeit verfliegen. Mittlerweile ist ihr Mann, Stefan, hinzugekommen und lauscht unserem Gespräch mit wohlwollender Distanz. Ich denke mir die beiden zusammen in einem Boot, während ihr Mann uns das Zitat mitgibt, auf das wir gewartet haben, ohne es zu wissen: „We know not where we’re going. For the ocean will decide. It’s not the destination. It’s the glory of the ride.“

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