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Foto: © siegridcain.com

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Christian Kaar, Co-Founder von Runtastic, erzählt vom rasantesten Lauf seines Lebens.

Christian Kaar ist 38 und hat bereits ein Leben hinter sich. Er steht vor mir mit einem weißen T-Shirt, auf dem in der Mitte das adidas-Logo leuchtet. Nicht groß zwar, aber ziemlich zentral. Ein bisschen wie bei einem Sportler, der immer gut sichtbar und in Kamerahöhe seine Sponsoren trägt. Ein Vergleich, der zu hinken beginnt, sobald man ihm gegenübersitzt.
Nicht, weil er nicht sportlich wäre, sondern einfach, weil seine geerdete Umgänglichkeit solchen abstrakten Überlegungen wenig Raum gibt. Vielleicht auch, weil er immer einer war, der im Hintergrund die Fäden zog, während andere auf der Bühne standen. Und doch: Das Bild vom Spitzensportler, der Mitte Dreißig ein neues Leben beginnt, ist auch Christian Kaar nicht fremd: „Marcel Hirscher hat seinen ersten Weltcupsieg Anfang Dezember 2009 eingefahren – wir haben Ende November 2009 die erste iPhone-Version unserer Lauf-App in den App Store gestellt“. Und 2019 ist er zurückgetreten, so wie ich. Das ist natürlich eine ganz andere Dimension, aber von der Zeitspanne her ist das schon eine Parallele, die spannend ist.“ Trotzdem hat auch Runtastic für Österreichs Start-up-Szene eine neue Dimension eröffnet – als der Deal mit adidas 2015 über die Bühne ging. „Start-up? Den Begriff kannten wir damals gar nicht, als wir begonnen haben.“ Die Vorgeschichte zu Runtastic spielt am Neusiedlersee, als er gemeinsam mit René Giretzlehner an der FH Hagenberg eine App für die Segelweltmeisterschaften 2006 entwickelt hat, die es Zuschauenden am Seeufer ermöglichte, die Regatta besser zu verfolgen. „Auch damals ging es schon um User-Experience, auch wenn es wirtschaftlich ein Desaster war“, erinnert sich Christian Kaar: „Statt der 100.000 erwarteten Besucher wurden es nur 10.000. Und strukturell fehlte damals noch der Store, in dem die App-User sich zentral hätten bedienen können.“
„Mobile Computing steckte damals in den Kinderschuhen. Es war wie eine Wette auf die Zukunft,“ erinnert sich Christian Kaar an seine Studienzeit. Dass diese Wette nur zwei Jahre später in den Köpfen der Runtastic Gründer Gestalt annahm, ist – neben der zukunftsweisenden Idee, GPS-Tracking als mobile Lauf-App für den Breitensport anzubieten – auf das Zusammentreffen mehrerer Faktoren zurückzuführen: 1) ein nahezu perfektes, von den Charakteren und Kompetenzen exzellent gemischtes Gründerteam, 2) eine beispiellose Hands-on-Mentalität gepaart mit dem Willen zur Internationalisierung und 3) den Umstand, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. „Natürlich war auch das Quäntchen Glück im Spiel“, wie Christian Kaar betont, „wir hatten nicht viel Plan, zugegeben, aber wir hatten diese unbedingte Bereitschaft, Fehler schnell zu machen und schnell zu lernen. Wenn man so will, hatten wir das Start-up-Gen in uns, ohne es zu wissen.“

»Wir spürten, dass wir ganz nah
am Puls der Zeit waren.«

So wurde das „Zeitmesssystem für Sportstätten“, das im Business-Plan 2009 noch für 99 % der Umsätze vorgesehen war, bereits nach dem ersten Pilotprojekt im Juli 2010 wieder fallengelassen, als man die besondere Dynamik der App-Geschichte erkannte. „Wir spürten, dass wir ganz nah am Puls der Zeit waren, und wir konnten von Linz aus darauf reagieren. Das war einfach genial.“ So kam 2008, mitten in der Weltfinanzkrise, das erste iPhone mit integriertem GPS und der erste App Store auf den Markt – ein Game-Changer, wie sich schnell herausstellte: „Wir wollten eine coole Experience für den Breitensport anbieten und hatten plötzlich als kleines Team aus Oberösterreich einen Vertriebskanal in die ganze Welt. Und dazu kam, dass Facebook hierzulande gerade explodierte.“ 

„Ich hatte einen ‚runtastischen‘ Lauf über 7,2 km“
Der Rest ist Geschwindigkeit pur. Im Dezember 2009 wurde die Entscheidung getroffen, eine Android- App zu bauen, und im Mai 2010 war sie fertig – zu einem Zeitpunkt, als der Smartphone-Anteil in Österreich gerade einmal 1 % betrug. Dementsprechend fiel auch das erste Feedback aus – niemand konnte und wollte sich damals vorstellen, mit dem Handy laufen zu gehen. An dieser Stelle kommt das Marketing-Talent von Frontman Florian Gschwandtner ins Spiel: „Er wusste instinktiv, wie man sportliche und soziale Komponenten so kombiniert, dass sie viral gehen. Die Leute wollten nicht nur sehen, was sie gemacht hatten, sie wollten plötzlich auch, dass es andere sehen. Und diese durch Facebook initiierte Kultur des Teilens schlug ein wie eine Bombe.“

»Die Rakete war gestartet:
mehr als 100.000 Downloads pro Tag.«

Plötzlich ging es nicht mehr um Bewegung allein. Plötzlich ging es darum, sich in die Runtastic-Community zu laufen. Die Rakete war gestartet: mehr als 100.000 Downloads pro Tag. Wenn man sich dazu noch vorstellt, dass alle sportlichen Aktivitäten der Nutzer auf einem Dashboard im Linzer Büro visualisiert wurden, sodass auf der großen digitalen Weltkarte in Echtzeit zu sehen war, wer sich wo auf der Welt mit der App bewegte, dann kann man ungefähr die Stimmung erahnen, die damals herrschte. Aber die Linzer blieben anders als viele der Kollegen der Start-up-Szene am Ball, feierten kurz und ausgiebig, nur um danach noch tiefer einzutauchen in die Arbeits-Bubble und wieder einen Tag unter dem Schreibtisch zu schlafen.
Wenn Christian Kaar von den zehn schönsten Jahren in seinem Leben spricht, dann verändert sich seine Stimmlage, auch wenn er durch die Erfolge nie abgehoben ist. „Diese Bodenhaftung ist immer Teil von unserer Entwicklung gewesen“, betont er. „Erfolge haben uns eher dazu verleitet, noch mehr zu arbeiten und noch genauer zu sein. Wir wussten plötzlich, dass da etwas möglich ist.“ Und die Ergebnisse gaben ihnen recht.

ZKB-Magazin-Runtastic-3Christian Kaar 

Er studierte Mobile Computing an der FH Hagenberg.
2006 entwickelte er seine erste App für die Segelweltmeisterschaften am Neusiedlersee.
2009 gründet er mit René Giretzlehner, Alfred Luger und Florian Gschwandtner die Firma Runtastic, 2019 scheidet er aus dem Unternehmen aus.
2021 gründet er die Firma Leaders21 gemeinsam mit Florian Gschwandtner und Thomas Kleindessner.
Seit 2020 Vater eines Sohnes.
Christian Kaar ist Kunde der Zürcher Kantonalbank Österreich AG.

2013 steigt der Axel-Springer-Verlag mit 50,1 % ein und das nur vier Jahre nach der Gründung. Und im Jahr 2015 erwirbt adidas das gesamte Unternehmen für 220 Millionen Euro. Die Gründer bleiben zunächst an Bord und machen weiter wie zuvor. Alles beim Alten? Nicht ganz. Vier Jahre später kommt es bei Runtastic zur großen Flurbereinigung – im Zuge der nun forcierten Andockung an den Mutterkonzern. Aus 20 Apps, die Runtastic im Laufe der Jahre für die unterschiedlichsten Sportarten entwickelt hatte, wurden wieder zwei Apps – adidas Running und adidas Training. „Das war auch eine kulturelle Kraftprobe und ein tiefgreifender Prozess,“ kommentiert Christian Kaar diese Phase: „Weil wir wussten, dass eine Annäherung an der Oberfläche keinen Sinn macht. Gleichzeitig spürten wir, dass sich mit diesem Prozess auch ein Kreis schließt, der uns produkttechnisch zurück an die Ursprünge führt.“

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2019 hat Christian Kaar – ein Jahr nach Florian Gschwandtner – das Unternehmen verlassen. Der Change-Prozess war durch und mit Scott Dunlap ein neuer CEO gefunden. „Es war sicher nicht leicht für mich loszulassen und den nächsten Schritt zu tun. Auch weil es niemals leicht ist, den richtigen Zeitpunkt zu treffen, um sich dem Neuen zuzuwenden. Diese Frage begleitet ja jeden Menschen.“ Christian Kaar lächelt und deutet auf den einjährigen Raphael, der am Boden spielt: „Er hat es aber im Grunde sehr einfach gemacht für mich, weil ich mir immer schon Zeit nehmen wollte für dieses Abenteuer, das Familie heißt.“
Dass mit Leaders21 bereits sein neues Firmen-Baby auf ihn wartet, war vielleicht nicht so geplant. Aber wenn alte Freunde rufen, ist es schwer, nein zu sagen – zumal es dabei auch eine digitale Herausforderung gibt, die den Techniker Kaar reizt: „Die Branche leidet notorisch darunter, dass die Learnings aus den Workshops oft nicht im Business-Alltag ankommen. Wir bieten Micro-Consulting auf allen Führungsebenen – durch kleine maßgeschneiderte Trainingseinheiten, die individuell abgerufen werden können, ohne den Ort zu wechseln.“
„Man sagt ja, dass sich das Leben eines Durchschnittsösterreichers in einem Radius von 40 Kilometern abspielt“, erzählt Christian Kaar und meint – nicht einmal kokett –, dass das haargenau auf ihn zutrifft. Von Vorderweißenbach nach Hagenberg nach Pasching und dann auf den Pöstlingberg. So sieht es aus – das Leben im globalen Dorf, denke ich mir, als wir uns verabschieden. Vielleicht laufen wir uns morgen beim Milchholen über den Weg, oder übermorgen im Silicon Valley. 

Die Zeitzone von Runtastic
2007 Erstes iPhone
2008 Erstes iPhone mit GPS
07.2008 Erster App Store für iOS wird vorgestellt
10.2008 Google Play Store für Android wird vorgestellt
2009 Facebook hebt in Österreich ab
2009 Gründung von Runtastic
11.2009 Runtastic lanciert erste Lauf-App für iPhones im App Store
07.2010 100.000 Downloads an einem Tag
2013 Axe Springer erwirbt 50,1 % der Anteile
2015 adidas kauft das Unternehmen
2018 Re-Branding von Runtastic unter dem adidas-Markendach
2021 327 Millionen Downloads

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