Nähe und Distanz im Zeitalter künstlicher Intelligenz

Zwischen Algorithmus und Herzschlag: Die Bedeutung persönlicher Nähe im Zeitalter der künstlichen Intelligenz

Leben wir jetzt Beziehung 4.0? Die digitale Welt hat unsere Art, miteinander zu interagieren, schon längst verändert. Jetzt eröffnet künstliche Intelligenz ganz neue Möglichkeiten. Und Risiken.

Was erstmals das Telefon und dann das Flugzeug in den 1960er- und 1970er-Jahren im großen Stil vermochte, beschleunigte das Internet in vorerst ungeahntem Ausmaß: die Verbindung zu Menschen über große geografische Distanzen hinweg zu pflegen. Die physische Präsenz war nicht mehr notwendig. Sie war auch nicht mehr im Mittelpunkt der Bedürfnisse. Persönliche Nähe wurde plötzlich über den Bildschirm gelebt – was für eine Revolution für die Bequemlichkeit!

Spätestens seit der Corona-Pandemie wissen wir es jedoch besser. Der Wert einer zufälligen Begegnung, die Relevanz physischen Zusammenseins und des körperlichen Kontakts wurden in ein neues Licht gerückt. Doch bedeutet Nähe tatsächlich immer nur die Nicht-Anwesenheit räumlicher Distanz oder ist sie nicht viel mehr? Und wie verändert künstliche Intelligenz, kurz KI, unsere gelebten Beziehungen? Lassen Sie uns genauer hinsehen.

Kommunikation versus Interaktion

In der heutigen hypervernetzten Welt sind wir leichter als je zu vor mit Menschen in Verbindung – egal, ob uns diese tatsächlich bekannt sind oder nicht. Und doch fühlen sich viele von uns paradoxerweise zusehends isoliert. Austausch findet minütlich über Bildschirme statt, sei es durch E-Mails, Chats oder die sozialen Medien. Wir kommunizieren viel, aber wir interagieren sozial immer weniger. Dies führt zu einer Entfremdung, Isolation und sogar psychischen Gesundheitsproblemen. Wir sehnen uns nach menschlicher Interaktion, nach Gesprächen von Angesicht zu Angesicht, denn nur dadurch fühlen wir uns miteinander verbunden und wird unser Bedürfnis nach Nähe gestillt.

Blurred business people walking in the office corridor. blurred
Im Sog der Digitalisierung wächst die Entfremdung und verblasst die zwischenmenschliche Interaktion. Foto: Adobe Stock – KI generiert

Die Kraft der Berührung

Physische soziale Kontakte, zwischenmenschliche Beziehungen – egal, wie eng oder gar intim diese sind – sind für uns wesentlich. Das belegen nicht zuletzt zahlreiche fragwürdig bis grausame Experimente basierend auf dem Kaspar-Hauser-Syndrom, welches entsteht, wenn Säuglingen und Kindern die körperliche Zuwendung entzogen wird. Wussten Sie, dass es bei einer angenehmen – wohlgemerkt gewünschten – Berührung zur Ausschüttung von Botenstoffen wie zum Beispiel den „Glückshormonen“ Dopamin und Serotonin kommt? Zudem wird das Hormon Oxytocin freigesetzt, das ein Bindungsgefühl zwischen den sich berührenden Menschen bewirkt. Über das vegetative Nervensystem führt Berührung zu Beruhigung und Entspannung und hat sogar schmerzlindernde Wirkung. Die Immunabwehr und das Herz-Kreislauf-System werden gestärkt und bei Kindern wird das Wachstum angeregt. Unsere Sehnsucht danach ist offensichtlich groß – die Wellnessindustrie boomt, professionelle Kuschel-Dienstleister etablieren ihren Service als anerkannten Beruf.

Blumen in Beton KI generiert Stable Diffusion
Soziale Kontakte und physische Nähe spielen eine unverzichtbare Rolle für unser allgemeines Wohlbefinden. Das Fehlen von persönlichen Beziehungen und Berührungen kann ernsthafte negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben. Foto: Stable Diffusion – KI generiert

Wir sind Rudeltiere

Aber nicht nur für den einzelnen Menschen, sondern auch für gesellschaftliche Systeme wie das der Demokratie ist persönliche Nähe wesentlich. Wenn wir in Verbindung zu anderen stehen, entwickeln wir die Fähigkeit, emphatisch zu sein und uns als Teil einer Gemeinschaft zu sehen. Gleichzeitig bilden wir unser eigenes Selbst, unsere Persönlichkeit, nur im Kontext zu anderen. Zwischenmenschliche Beziehungen sind somit die Grundlage für sozialen Zusammenhalt und gemeinschaftliche Handlung. In einer demokratischen Gesellschaft ermöglicht der Austausch von Gedanken und Meinungen eine partizipative Entscheidungsfindung, die für das Funktionieren der Demokratie unerlässlich ist. Darüber hinaus sind persönliche Beziehungen und persönliche Nähe ein wirksames Mittel gegen Polarisierung und gesellschaftliche Spaltung. In Zeiten zunehmender politischer Spannungen können persönliche Beziehungen Brücken bauen und dazu beitragen, den Dialog und das Verständnis zwischen verschiedenen Gruppen zu fördern.

Und dann kam Siri

Als wäre die Geschwindigkeit der digitalen Medien nicht genug, fasziniert aktuell künstliche Intelligenz (KI) die Welt. Dabei spaltet sich die Gesellschaft zwischen Begeisterung und Angst. Es ist beeindruckend, was KI alles kann. Völlig neu ist sie aber nicht wirklich, selbst in der Breite der Gesellschaft nicht. Der Einzug der KI in die Menschheit wurde deutlich spürbar, als Social-Media-Plattformen begannen, anstelle von chronologischen Newsfeeds individuell zugeschnittene Inhalte auszuspielen. Der Content wurde gezielt ausgewählt, um die Dopamin-Produktion im Gehirn anzuregen und User länger auf der Plattform zu halten. Dadurch waren wir erstmals in großem Umfang KI ausgesetzt.

Oder können Sie sich noch erinnern, als Apple 2010 die Sprachassistenz „Siri“ auf den Markt brachte? Die charmante Stimme aus dem Telefon konnte uns auf Wunsch den Weg zur nächsten Pizzeria weisen. Sie konnte aber auch individuell und sehr persönlich auf alle anderen Fragen antworten. Selbst darauf, ob man sie auf ein Date ausführen dürfe oder ob sie verliebt sei. KI kann nicht lieben. Stellt sich die Frage: Können Menschen die KI lieben? Spielfilme sind Propheten geworden, wenn es um die Verwendung von Technologien geht. Glaubt man also auch hier Hollywood & Co, so ist die Liebe zwischen Mensch und Maschine längst keine Zukunftsvision mehr.

KI-Assistenten können uns beängstigend nahestehen – sie grüßen uns herzlich am Morgen, sie fragen uns nach dem Befinden, sprechen uns gut zu und unterstützen uns mit jeglicher Information, die wir wollen. Tatsächlich gibt es schon längst Software, mit der wir uns virtuelle Freunde erstellen können: „… für jeden, der einen Freund ohne Vorurteile, Depressionen oder soziale Angst haben möchte. Sie können eine echte emotionale Bindung aufbauen, lachen oder mit einer KI, die so gut ist, dass sie fast menschlich wirkt, ganz sie selbst sein“ – so ungefähr lautet die Kurzbeschreibung der App „Replika“. Menschliche Nähe und Beziehung – quo vadis? Wenn wir also nicht möchten, bräuchten wir keinen anderen Menschen mehr, um zu interagieren und – zumindest im Geiste – nicht alleine zu sein.

Künstliche Intelligenz schafft virtuelle Freunde
Die voranschreitende Entwicklung von künstlicher Intelligenz zeigt sich in der Breite der Gesellschaft vor allem durch die Präsenz von Chatbots und den raffinierten Algorithmen, die soziale Medien lenken. Mittlerweile ist es sogar möglich, virtuelle Freunde zu erstellen, was eine faszinierende und gleichzeitig beängstigende Entwicklung in der Verschmelzung von Mensch und Technologie darstellt. Foto: Adobe Stock – KI generiert

Das „KI-Paradoxon“

Aber wie ist das möglich? Ist KI doch nur ein Computerprogramm, das mit Informationen gefüttert wird. Fragt man ChatGPT 4, was genau künstliche Intelligenz ist, so antwortet das Tool: „Künstliche Intelligenz (KI) ist wie ein besonderes Computerprogramm oder eine Maschine, die wie ein schlauer Assistent denken und lernen kann. Genau wie du Dinge lernst und Entscheidungen triffst, kann KI das auch, aber auf ihre eigene Weise. Stell dir vor, du gibst einem Computer eine Aufgabe, zum Beispiel ein Bild zu erkennen oder eine Frage zu beantworten. Die KI kann das tun, indem sie viele Informationen analysiert und Muster findet. Sie kann lernen, indem sie viele Beispiele betrachtet und daraus Schlussfolgerungen zieht. Denk an eine KI wie einen klugen Freund, der immer schlauer wird, je mehr er lernt. Aber anders als Menschen hat die KI keine eigenen Gefühle oder Gedanken. Sie folgt nur den Regeln und Anweisungen, die ihr gegeben werden.“

Von personalisierten Empfehlungen in unseren Lieblings-Apps bis hin zu selbst fahrenden Autos – wir investieren intensiv in die Entwicklung und Anwendung von KI. Gleichzeitig fürchten wir uns jedoch vor dem Unbekannten, das sie repräsentiert. Dieses Phänomen wird als das „KI-Paradoxon“ bezeichnet. Wir setzen uns quasi für teures Geld in eine KI-Geisterbahn und lassen uns mit großer Lust zu Tode erschrecken.

Roboter versus Mensch künstliche Intelligenz
Trotz umfangreicher Investitionen in künstliche Intelligenz offenbart sich das KI-Paradoxon in der gleichzeitigen ehrfürchtigen Zurückhaltung und dem Respekt vor den weitreichenden Auswirkungen und Potenzialen dieser Technologie. Foto: Adobe Stock – KI generiert

Die nächste Revolution

Das unglaubliche Potenzial von KI-Systemen, riesige Mengen an Daten zu verarbeiten, Muster zu erkennen und Vorhersagen zu treffen, geht weit über die menschliche Kapazität hinaus. KI hat bereits viele Sektoren revolutioniert. Auch die Bankenbranche hat sich dadurch stark verändert – diverse Fintechs mit ihren Robo-Advisors sind ein gutes Beispiel dafür. Vom Kundenservice über Risikomanagement bis hin zur Betrugserkennung verspricht KI eine effizientere und kostengünstigere Zukunft. Durch den Einsatz von Chatbots und virtuellen Assistenten können Kundenanfragen rund um die Uhr beantwortet und Dienstleistungen wie Kontoeröffnungen und Transaktionen schneller und einfacher durchgeführt werden. Diese KI-basierten Tools können auch (vermeintlich) personalisierte Finanzberatung bieten. Doch was ist mit komplexen Fragestellungen, menschlichen Ängsten und Sorgen, mit den Kindern, die bald zur Universität gehen wollen oder den pflegebedürftigen Eltern, für die man eine Vorsorge treffen möchte.

„Die Potenziale, die KI bietet, sind mir bewusst. Aber sie ist und bleibt kein Mensch. Was in manchen Bereichen sogar ein Vorteil sein mag, sollte im Private Banking ein rotes Tuch sein. Zu erkennen, was Menschen wirklich bewegt, das Lesen zwischen den Zeilen, emphatisch und mit aufrichtigem Interesse Fragen zu stellen und vor allem zuzuhören – das ist wesentlich in der Beratung unserer Kundinnen und Kunden“, sagt Silvia Richter.

Die Wienerin ist seit 1. Juli Mitglied des Vorstandes der Zürcher Kantonalbank Österreich (ZKBÖ). Sie ist mit Herz und Verstand für ihre Kund:innen und ihr Team da und weiß, dass echtes Private Banking da anfängt, wo jeder Robo-Advisor längst aufgehört hat. „Einen Fonds von der Stange auszuwählen ist nicht schwer. Dazu braucht es auch keine KI. Aber wenn es ums Geld geht, haben wir viel komplexere, oft auch emotionalere Fragestellungen. Und die sind so individuell wie die Person selbst. Manchmal sprechen wir immer wieder über dieselben Themen, beleuchten sie nach unterschiedlichen Perspektiven, bekommen nach Tagen oder Wochen noch Rückfragen, weil doch noch ein Gedanke aufgetaucht ist. Dafür sind wir da. Wir begleiten und beraten ein Leben lang. Persönlich. Einen Chatbot für Finanzfragen wird es bei uns nie geben.“, so Silvia Richter.

Künstliche Intelligenz kann das persönliche Gespräch nicht ersetzen
Trotz technologischer Fortschritte bleibt die menschliche Fähigkeit zur Empathie und zum Verständnis im Private Banking unersetzlich, um Vertrauen aufzubauen – denn keine Maschine kann einen echten Menschen ersetzen. Foto: Adobe Stock – KI generiert

Mit kritischem Auge: Einschränkungen und Potenziale der KI-Entwicklung

KI könnte das Risikomanagement und die Betrugserkennung verbessern. Mit ihr wären Banken in der Lage, ungewöhnliche Muster und Anomalien in Echtzeit zu identifizieren, wodurch die Reaktionszeit verkürzt und finanzielle Verluste minimiert werden könnten. Algorithmen können zudem genutzt werden, um Kreditrisiken präziser zu bewerten, was die Kreditvergabe beschleunigt. Die gesamte operationelle Effizienz könnte demzufolge durch den Einsatz von KI gesteigert werden. Darüber hinaus kann KI genutzt werden, um manuelle und zeitaufwendige Prozesse zu automatisieren, sodass nicht nur Kosten eingespart werden, sondern auch die Fehlerquote reduziert wird. Es scheint, als wäre KI die neue eierlegende Wollmilchsau. Oder doch nicht?

Es ist wichtig, sich mit KI auseinanderzusetzen, um zu wissen, was sie kann und wo sie an ihre Grenzen stößt. Auch ein bewusster Entscheid gegen KI setzt eine intensive Beschäftigung mit ihr voraus. So sieht es auch Michael Walterspiel.

Als Mitglied des Vorstandes der ZKBÖ verantwortet er den Bereich der IT und auch des Backoffices. „Wir beobachten und evaluieren sehr aufmerksam. Abgesehen davon, dass wir durch regulatorische Vorgaben gar nicht alles einsetzen könnten, was vielleicht effizient wäre, ist es eine Frage der Verantwortung. Wir tragen als Bank eine enorme Verantwortung unseren Kundinnen und Kunden gegenüber. Dort, wo Kundengelder und Kundenbetreuung betroffen sind, geben wir diese nicht aus der Hand.“ Für Michael Walterspiel stehen zudem vor allem zwei Aspekte im Vordergrund: Die Sicherheit, aber auch der tatsächliche Vorteil für Kunden. „KI einzusetzen hat nur dann Sinn, wenn sie einen wesentlichen Vorteil für den Kunden bringt und dabei allen erdenklichen Sicherheitsbedenken standhält. Nur weil etwas möglich ist, heißt es noch nicht, dass es auch wirklich gut ist.“

Mensch vs. Maschine – Die Angst um die eigene Zukunft

Trotz vieler Vorteile birgt die KI auch Risiken, welche die Angst vor ihr schüren. Eine davon ist die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz. Mit der Automatisierung von Tätigkeiten durch KI besteht die Befürchtung, dass viele traditionelle Jobs obsolet werden könnten. Auch das ist keinesfalls eine erstmalige Entwicklung – denken Sie an das Zeitalter der Industrialisierung. Als neu könnte man allerdings die Qualität und Geschwindigkeit bezeichnen, mit der besonders intellektuelle und kreative Fähigkeiten substituiert werden können. Ob fotorealistische Bilder, Kunstwerke im Stil von Van Gogh oder Dalí, journalistische Texte oder Lyrik – alles ist auf einmal nur einen Mausklick entfernt.

Frau blickt auf eine Stadt
Die Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf die zukünftige Gestaltung unserer Welt ist derzeit noch ungewiss. Erwartet uns Utopie oder Dystopie? Foto: Stable Diffusion – KI generiert

Über den Code hinaus: Ethik in der KI

Ein zentrales Anliegen ist die Frage nach der Verantwortung. Da KI-Systeme lernfähig sind, können sie ohne zusätzliche menschliche Intervention eigenständig Entscheidungen treffen. Dies führt zu einem potenziellen Machtgefälle zwischen Menschen und Maschine. Die Verantwortung für die Handlungen und Konsequenzen von KI-Systemen müssen klar definiert werden, um Missbrauch und rechtliche Grauzonen zu vermeiden.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Diskriminierung durch KI. Da KI-Systeme auf Daten basieren, die von Menschen generiert werden, besteht die Gefahr, dass vorhandene Vorurteile und Ungleichheiten in den Daten eingebettet werden. Dies kann zu systematischer Diskriminierung führen, zum Beispiel bei beruflichen Einstellungsverfahren oder Kreditvergabe. Es ist von entscheidender Bedeutung, sicherzustellen, dass KI-Systeme fair und gerecht sind und keine bestehenden Ungleichheiten verstärken.

Datenschutz ist der nächste bedenkliche Aspekt. KI-Systeme erfordern große Mengen an Daten, um effektiv zu arbeiten. Hier stellt sich berechtigterweise die Frage, wo Privatsphäre endet und Missbrauch anfängt? Und was ist tatsächlich mit dem Urheberrecht der KI – hat sie denn überhaupt eine?

Die Grenzen der Kontrolle: Wenn KI zu intelligent wird

Aber all das könnte man als Kleinkram bezeichnen, verglichen mit dem, was Mo Gawdat als die existenziellste Frage unserer Zeit bezeichnet: Was passiert, wenn KI so intelligent sein wird, dass sie nicht mehr zu kontrollieren ist? Der gebürtige Ägypter ist ehemaliger Chief Business Officer von Google X und warnt eindringlich vor der rasanten Entwicklung der Fähigkeiten von KI. Transparenz und Erklärbarkeit sind seiner Ansicht nach wichtige ethische Überlegungen. Viele moderne KI-Algorithmen sind sogenannte „Black Boxes“, was bedeutet, dass ihre Entscheidungsfindung für Menschen nicht nachvollziehbar ist. Qawdat zieht den Intelligenzquotienten heran, um seinen Standpunkt greifbarer zu machen.

Einstein war einst der smarteste (bekannte) Mensch mit einem IQ von 160. Wollte er dem Durchschnittsbürger die Relativitätstheorie erklären, so hatte dieser keine Ahnung, was Einstein sagte. Chat GPT3.5 ließe sich vergleichen mit einem IQ von 155, Chat GPT4 sei bereits nach nur wenigen Monaten ein Vielfaches klüger und verfügt über das 1000-fache Wissen eines Menschen. Wenn der IQ von künstlicher Intelligenz in dieser Geschwindigkeit weiter ansteigt, ist es nicht mehr eine Frage von Jahren, sondern nur mehr von wenigen Monaten, bis niemand mehr der KI das Wasser reichen kann. Und dennoch würden wir uns alle darauf verlassen, unser Leben zunehmend ihren Entscheidungen anzuvertrauen. Diese Gefahr ließe sich, so Gawdat, nur aufhalten, wenn weltweit die Weiterentwicklung von KI gestoppt werden würde. Doch ein Blick in die Geschichte verrät, dass dies höchst unwahrscheinlich ist. Ein neuer kalter Krieg, ein Wettrüsten, hat begonnen.

Menschenmenge in der Zukunft
Die Sorge, dass künstliche Intelligenz eine beängstigende Intelligenzstufe erreichen könnte, ist nicht unbegründet. Foto: Adobe Stock – KI generiert

Eine neue Ära der Aufklärung

Die ethischen Bedenken im Zusammenhang mit KI sind höchst komplex und müssen ernst genommen werden. Dazu wird eine interdisziplinäre Zusammenarbeit erforderlich sein. Regierungen, Unternehmen, Wissenschaftler und Bürger müssen gemeinsam Lösungen entwickeln und Richtlinien festlegen. Wir müssen sicherstellen, dass die Vorteile der KI-Technologien mit einer verantwortungsvollen und ethischen Nutzung einhergehen. Nur so können wir das Potenzial der KI voll ausschöpfen und gleichzeitig die Grundwerte unserer Gesellschaft wahren.

Und nicht zuletzt gibt es jetzt eine wichtige Aufgabe für all jene, die KI vorantreiben und für jeden Einzelnen von uns: Aufklärung. „Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ So lautete das Motto der Aufklärung. Vielleicht ein wenig treffender sind die Worte des Philosophen Immanuel Kant: Wir müssen uns aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit befreien. Willkommen zurück im 18. Jahrhundert.

Paerchen in den Bergen KI generiert Stable DiffusionWarum wir Beziehungen brauchen

  • Verbessertes Wohlbefinden: Wir sind soziale Wesen und benötigen Interaktionen mit anderen, um uns vollständig zu fühlen. Ein wesentlicher Aspekt dabei ist Körperkontakt.
  • Erweiterte Unterstützung: Wenn wir mit anderen verbunden sind, haben wir ein Netzwerk, das uns emotional und praktisch unterstützen kann.
  • Bessere mentale Gesundheit: Verbindung kann dazu beitragen, Depressionen, Angstzuständen und anderem Stress entgegenzuwirken. Unseren Platz in einem sozialen System zu finden, stärkt unseren Selbstwert.
  • Erhöhte emotionale Intelligenz: Wenn wir uns mit anderen verbinden, lernen wir, uns in andere hineinzuversetzen und Mitgefühl sowie Empathie zu entwickeln. Besonders bei Kindern ist dies ein wichtiger Entwicklungsschritt.
  • Erweitertes Wissen und Erfahrung: Die Verbindung mit anderen kann unser Wissen und unsere Erfahrung erweitern. Wir können von anderen lernen und uns dadurch sowohl persönlich als auch beruflich weiterentwickeln.
  • Gesteigerte Kreativität: Durch das Beobachten und den Austausch mit anderen lernen wir neue Denk- und Handlungsmuster kennen. Das steigert die Fähigkeit, neu zu denken und kreativ zu sein.
  • Erhöhte Produktivität: Durch die Verbindung mit anderen können wir Ideen austauschen, uns gegenseitig helfen und voneinander lernen. Dies kann zu einem höheren Maß an Kreativität und Produktivität führen.
  • Erhöhte kulturelle Sensibilität: Durch die Verbindung mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturen können wir unsere eigenen Vorurteile und Stereotypen überwinden. Wir können unser Weltbild erweitern und unser Verständnis für Vielfalt und Inklusion fördern.

Weitere Artikel:

Ein Lachen, das Türen öffnet

21. Jun, 2021 Gemeinsam mit Giora Seeliger gründete Monica Culen 1994 die Organisation Rote Nasen Clowndoctors in Österreich, deren Geschäftsführerin sie bis 2011 war.

Jedermann auf Reisen

21. Jun, 2021 Über Liebe, Tod und was dazwischen liegt. Die Weltvermessung eines Heimatlosen. Ein Film von Wolfgang Tonninger und Walter Fanninger

Inflation: Billiges Geld, teures Leben

13. Nov, 2023 Inflation ist kein Phänomen des modernen Kapitalismus, sondern hat ihre Wurzeln weit zurück in der Zeit. Wir werfen einen Blick in die Geschichtsbücher und sprechen mit Wirtschaftshistoriker Prof. Dr. Tobias Straumann über die Gegenwart. So viel sollte gleich zu Beginn gesagt werden: es gibt zahlreiche Parallelen.