Psychologie des Geldes - Wie das Unbewusste unsere finanziellen Entscheidungen steuert

Die Psychologie des Geldes

Wie das Unbewusste unsere finanziellen Entscheidungen lenkt und zahlreiche Fallstricke spannt.

Wie ein unsichtbarer Faden, der unsere Entscheidungen webt und unsere Träume umhüllt, ist Geld oftmals ein Spiegel unserer Wünsche und Ängste. Und bei jedem ausgegebenen Cent spielen unsere Psyche und Persönlichkeit mit. Willkommen in der faszinierenden Welt der Behavioral Finance, die Wissenschaft, die versucht zu erklären, wie wir mit Geld umgehen und welche komplexen Nuancen unseres Fühlens und Denkens dies beeinflusst.

Die Wurzel allen Übels?

Beim Umgang mit Geld laufen wir täglich Gefahr, zahlreichen von unserem Gehirn geschaffenen Fallstricken zu erliegen. Wie wir aufwachsen und sozialisiert werden, spielt dabei eine große Rolle. Der deutsche Philosoph und Soziologe Georg Simmel (* 1858 † 1918) taucht in seinem Werk Philosophie des Geldes tief in den soziologischen und kulturellen Kontext ein. Für ihn ist Geld weit mehr als nur ein Tauschmittel oder Wertmaßstab; es ist der Dreh- und Angelpunkt der Moderne und prägt unser Denken, Fühlen und soziales Miteinander. Simmel warnt vor der Entfremdung, die mit der Herrschaft des Geldes einhergeht. Die Jagd nach Geld kann uns leer und unerfüllt zurücklassen, da die durch Geld geformten Beziehungen und Ziele oft nicht unsere tieferen Sehnsüchte stillen können.

In der Welt der Behavioral Finance leuchtet Simmels Analyse wie ein Leuchtturm: Sie zeigt, dass unsere finanziellen Entscheidungen nicht nur von Zahlen und Logik regiert werden. Vielmehr sind sie eingebettet in das soziale Gewebe unserer Existenz, beeinflusst von kulturellen Normen und persönlichen Werten. Seine Erkenntnisse legen nahe, dass wir gelegentlich entgegen unserem eigenen finanziellen Wohl handeln – denn das, wonach wir wirklich streben, ist nicht immer durch ein Preisschild definiert.

In der jüngeren Geschichte sind vor allem die Einsichten des kürzlich verstorbenen Nobelpreisträgers Daniel Kahneman (* 1934 † 2024) von zentraler Bedeutung für das Verständnis der Psychologie hinter unseren finanziellen Entscheidungen. Insbesondere die Forschung zu Heuristiken und Bias, die er gemeinsam mit Amos Tversky durchgeführt hat, zeigt, dass unsere Entscheidungen häufig von intuitiven, „schnellen“ Denkprozessen geleitet werden, die uns anfällig für systematische Fehler machen.

Kognitive Verzerrungen trüben den Blick wie Nebel
Kognitive Verzerrungen vernebeln schnell den Blick und das rationale Denken in Investment-Entscheidungen.  Foto: Adobe Stock

Investitionsentscheidungen: Der Griff nach den Sternen

Verstehen wir Simmel und Kahneman, erkennen wir, dass unser Umgang mit Geld oft weniger von der Vernunft als von tief verwurzelten sozialen Dynamiken geleitet ist. Die Behavioral Finance beschäftigt sich mit diesen Dynamiken und identifiziert zahlreiche kognitive Verzerrungen, die unsere finanziellen Entscheidungen und unseren Umgang mit Geld beeinflussen.

Im Bereich des Private Bankings, in dem es um die Verwaltung von Vermögen geht, sind einige Phänomene besonders deutlich zu spüren, wie Silvia Richter, Mitglied des Vorstands der Zürcher Kantonalbank Österreich AG, weiß: „Emotionen sind menschlich und legitim. Wenn ich für meine Zukunft spare, für meine Familie vorsorge oder all mein hart erarbeitetes Geld in einen Fonds lege, darf sich auch das Bauchgefühl, unser ‚zweites Gehirn‘ melden. Hier ist gute Beratung auf Augenhöhe wesentlich, denn der externe Blick, unsere fundierte Ausbildung und Erfahrung erleichtern es, Emotionen in Relation zu setzen. Private Banking bedeutet sowohl Finanzexpertise als auch emotionale Kompetenz. Einige Phänomene erlebt und spürt man in der Beratung zu Investitionsentscheidungen besonders häufig“, sagt Richter. Lassen Sie uns also bei diesen etwas genauer hinsehen.

Silvia Richter Zürcher Kantonalbank Österreich AG, Vermögensarchitektin
Für Silvie Richter, Mitglied des Vorstandes der Zürcher Kantonalbank Österreich AG, ist Verständnis für Emotionen ein wesentlicher Bestandteil guter Beratung.  Foto: Siegrid Cain
  • Verlustaversion: Der Schmerz des Verlusts
    Der raffinierte Trick unseres Geistes, der uns dazu bringt, Verluste stärker zu bewerten als Gewinne zu genießen, wird als Verlustaversion bezeichnet. Es ist, als ob unser Gehirn einen unsichtbaren Airbag aktiviert, sobald wir uns einem potenziellen finanziellen Absturz nähern. Wie können wir dem entgegenwirken? Ein einfacher Trick besteht darin, unsere Verluste in eine größere Perspektive zu setzen und uns daran zu erinnern, dass Misserfolge oft die Samen für zukünftigen Erfolg legen können.

  • Herdenverhalten: Wenn wir uns verlieren, um dazuzugehören
    Menschen treibt der Wunsch nach Zugehörigkeit an – auch im finanziellen Bereich. Wir neigen zum Herdenverhalten – einem Phänomen, das uns dazu bringt, Entscheidungen auf der Grundlage des Verhaltens und der Meinungen anderer zu treffen, anstatt unabhängig zu denken. Sie erinnern sich an die Immobilienblase der 2000er? Viele Investoren folgten blind der Masse und investierten in Immobilien sowie Hypothekenprodukte, die letztendlich überbewertet waren. Dies verstärkte den Boom, führte jedoch letztendlich zum Zusammenbruch des Immobilienmarktes und zu großen Krisen für viele. Ein weiteres spektakuläres Beispiel ist die geplatzte Tulpenblase von 1637, bei der die Preise für Tulpenzwiebeln in den Niederlanden dramatisch anstiegen, weil sie zum Investitionsobjekt wurden. Der Markt kollabierte und führte zu beträchtlichen finanziellen Verlusten.


  • Overconfidence Bias: Die Kunst der Selbstüberschätzung
    Wenn Sie sich selbst als überdurchschnittlich kompetent betrachten oder dazu neigen, Ihre Chancen optimistischer einzuschätzen, als es in der Realität gerechtfertigt ist, könnten Sie dem Overconfidence Bias erliegen, der Überzeugung der Unfehlbarkeit. Nicht selten trifft man auf Anleger, die fest davon überzeugt sind, den Markt schlagen zu können. Sie investieren ihr gesamtes Vermögen in eine einzelne Aktie, weil sie sich als Experten sehen. Diese Selbstüberschätzung führt dazu, dass sie die Risiken nicht angemessen berücksichtigen und letztendlich hohe Verluste erleiden, wenn die Aktie an Wert verliert.


  • Self-Attribution Bias (Zuschreibungsfalle): Zwischen Schuld und Selbstlob
    Diese Verzerrung tritt auf, wenn Menschen dazu neigen, ihren Erfolg auf interne Faktoren wie ihre eigenen Fähigkeiten oder Bemühungen zurückzuführen, während sie Misserfolge auf externe Faktoren wie Pech oder äußere Umstände schieben. Um dem Self-Attribution Bias entgegenzuwirken, ist es wichtig, Erfolge und Misserfolge objektiv zu bewerten und Verantwortung für beide zu übernehmen.

Der Blick auf das große Ganze

Dies sind nur einige der bekannten Phänomene, die uns nicht zu selten fernsteuern. Der Schlüssel zur Vermeidung grober Fehlurteile liegt in solidem Wissen und in rationalen Entscheidungen. Doch wir sind eben nicht der nutzenmaximierende „Homo Oecomicus“. Es ist wichtig, Emotionen anzuerkennen und zu verstehen, dass Sorgen und Ängste auch ihre Berechtigung haben. Letzteres ist Silvia Richter besonders wichtig. Seit über 30 Jahren ist die gebürtige Wienerin in der Finanzbranche tätig.

Der Begriff, welcher am besten beschreibt, was sie als ihre Aufgabe im Private Banking sieht, ist jener der Vermögensarchitektur: „Wenn Sie einen Architekten beauftragen, Pläne für ein Haus zu entwerfen, wird er – hoffentlich – viele Fragen stellen, bevor er mit der Arbeit beginnt. Denn: Ein Haus ist nicht gleich ein Haus. Und so ist es auch bei uns. Kompetente Beratung beginnt damit, die gesamten Lebensumstände, Ziele und auch Sorgen der Kunden kennenzulernen. Und ja, das beinhaltet auch Themen, die über das Finanzielle hinausgehen, wie Emotionen, Glaubenssätze und manchmal auch Denkfehler.“

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Mit der eigenen Vergänglichkeit ist für die meisten Menschen eine große Angst verbunden. Auch bei Investitionen spielt das eine Rolle.  Foto: Adobe Stock

Denken an das Unvermeidliche

Ebenso übermächtig und stark unterbewusst gesteuert ist die Auseinandersetzung mit schwierigen Themen, wie etwa mit der eigenen Vergänglichkeit. Tief in uns verankert ist eine fundamentale Angst, der wir uns besonders selten dann stellen, wenn wir bei bester Gesundheit sind und (finanzielle) Zukunftspläne schmieden. Gleichzeitig ist es eine wesentliche Fragestellung in der Finanzplanung.

„Auch das verstehe ich unter Vermögensarchitektur: auch die unangenehmen Dinge anzusprechen.“

Silvia Richter, Mitglied des Vorstandes der Zürcher Kantonalbank Österreich AG

„Was passiert mit meinem Geld, wenn ich mal nicht mehr bin?“ ist eine Frage, um die meist ein großer Bogen gemacht wird. Und doch gehört sie dazu, weiß Silvia Richter: „Ich sehe es als meine Aufgabe an, so etwas Wichtiges anzusprechen – oft auch schon im ersten Gespräch – wenn es um das Thema Absicherung und Zukunftsvorsorge geht, auch Scheidung, Eheverträge oder das Ableben der Ehepartner.“ Die Reaktionen seien vorwiegend sehr positiv: „Niemand möchte mit so schmerzvollen Gedanken konfrontiert werden. Aber meist ist es Erleichterung und Dankbarkeit, dass ich das Ansprechen dieser Überlegungen übernehme. Auch das verstehe ich unter Vermögensarchitektur: auch die unangenehmen Dinge anzusprechen.“

Emotionslose Rettung: der Robo-Advisor

Es gibt zahlreiche Anbieter mit Robo-Advisor und KI-Finanzprofis, die als Alternativen zu persönlicher Beratung ohne große Barrieren angeboten werden. Lange Gespräche, hohe Gebühren oder zwischenmenschliche Chemie sind nicht mehr nötig. Die Botschaft der Online-Broker ist klar: einfach, bequem und günstig. Die verführerische Einfachheit der Robo-Advisor liegt darin, dass Anlageentscheidungen wie rein logische Schritt-für-Schritt Entscheidungen erscheinen, ohne komplexe oder unangenehme Fragen. Und ohne Emotionen. Oder doch nicht?

„Täglich wird das Depot gecheckt und die Verunsicherung steigt bei jeder Veränderung der Kurve.“

Christian Nemeth, Vorstandsvorsitzender der Zürcher Kantonalbank Österreich AG
Psychologie des Geldes Christian Nemeth
Christian Nemeth warnt vor den Gefahren der ständigen Überwachung von Depots und der damit verbundenen Angst und Unsicherheit trotz vermeintlich rationaler Entscheidungen. Foto: Siegrid Cain

Christian Nemeth, CEO und CIO der Zürcher Kantonalbank Österreich AG, trifft seit Jahrzehnten Entscheidungen über Investitionen in Millionenhöhen. Er kann nachvollziehen, dass viele Online-Banken und Fintech-Anbieter attraktiv sind und durch sie eine „echte“ rationale Entscheidung zum Greifen nahe scheint. Aber er kennt auch die andere Seite nur zu gut: „Ich habe nicht nur einmal gehört, dass schon kurz nach dem letzten Klick der Stress und die Angst kamen: Habe ich etwas falsch gemacht? Muss ich etwas verkaufen oder ankaufen? Täglich wird das Depot gecheckt und die Verunsicherung steigt bei jeder Veränderung der Kurve. Darin liegt eine der größten Gefahren.“ 

Auch in Zukunft bleiben wir Urmenschen

Lassen Sie uns einen Schritt zurück machen, um nach vorne zu schauen. Viele der genannten kognitiven Verzerrungen basieren auf tief verwurzelten Instinkten und Bedürfnissen. Werden neue Technologien und soziale Entwicklungen diese beeinflussen oder gar neue Verzerrungen hervorbringen? 

Die Verbreitung von KI-Tools, Fintech-Lösungen wie Robo-Advisor, Kryptowährungen und Peer-to-Peer-Kreditplattformen führt dazu, dass Menschen vermehrt auf automatisierte oder algorithmische Anlagestrategien setzen können. Könnte dies zu einer Verringerung der emotionalen Beteiligung an finanziellen Entscheidungen führen?

Finfluencer, die attraktiven Finanzexperten auf den sozialen Medien, haben Hochkonjunktur. Lässig an dicken Autos oder vor den Türen nobler Villen posierend, versprechen sie das große Geld. Leider auch viele betrügerische Maschen, die die Macht der kognitiven Verzerrungen nutzen. Der Wunsch, dem idealisierten Lebensstil der Influencer zu folgen, führt bereits jetzt zu impulsiverem Konsumverhalten und finanzieller Instabilität bei vielen jungen Menschen.

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Reichwerden nach dem Schema F – Influencer locken mit dem schnellen Geld und einem Leben im Luxus. Foto: Adobe Stock

Spielerische Entmachtung

Es ist darüber hinaus interessant, einen genaueren Blick auf die psychologischen Auswirkungen von Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) zu werfen. Die Integration dieser Technologien in den Finanzbereich könnte zu neuen Formen der Kundeninteraktion und -erfahrung führen. Durch ihre immersive Natur bieten diese Technologien eine Erfahrung, die so realistisch und fesselnd ist, dass der Benutzer das Gefühl hat, tatsächlich in die Umgebung einzutauchen. Virtuelle Simulationen von Märkten, Anlageportfolios oder Finanzszenarien wären erlebbar. Nutzer könnten aktiv mit ihrer finanziellen Situation interagieren und verschiedene Szenarien erkunden, um beispielsweise Anlagestrategien zu testen oder potenzielle Auswirkungen auf ihre Finanzen zu simulieren.

Die anschauliche Visualisierung komplexer finanzieller Daten und Informationen wäre leichter möglich, was Nutzern hilft, finanzielle Konzepte besser zu verstehen und fundiertere Entscheidungen zu treffen. Durch die immersive Umgebung können die Auswirkungen von Entscheidungen auf das emotionale Wohlbefinden besser nachvollzogen werden, was potenziell impulsives Handeln vermeiden hilft. Könnten die kognitiven Verzerrungen so beinahe spielerisch ausgehebelt werden?

„Auch in einer scheinbar rationalen Entscheidung flüstert die Seele.“

Daniel Kahneman

In einer Welt, die immer komplexer und von Technologie durchdrungen wird, bleibt die essenzielle Menschlichkeit unserer Entscheidungen ein beständiger Leuchtturm im Nebel der Optionen. Behavioral Finance, wie Daniel Kahneman es einst formulierte, offenbart, dass „auch in einer scheinbar rationalen Entscheidung die Seele flüstert“. Hinter jedem Zahlenwerk, jeder Investition und jedem Klick auf ‚Kaufen‘ oder ‚Verkaufen‘ steht ein Netzwerk aus Emotionen, kulturellen Prägungen und tief verwurzelten psychologischen Mustern. Kahneman führte uns in die Tiefen unserer Entscheidungsfindung und zeigte auf, dass das Erkennen und Verstehen dieser Muster nicht nur zur Vermeidung finanzieller Fallstricke dient, sondern auch einen Pfad zu bewussterem und erfüllterem Umgang mit unserem Vermögen weisen kann. Unser letzter Gedanke sollte daher nicht der Angst vor dem Unbekannten gelten, sondern der Erkenntnis, dass in der Anerkennung unserer menschlichen Natur – mit all ihren Fehlern und Marotten – auch eine große Chance liegt.

Die Behavioral Finance beschreibt viele kognitive VerzerrungenWeitere Kognitive Verzerrungen

  • Bestätigungsfehler: Wenn die Realität uns nicht gefällt, ändern wir sie
    Der Bestätigungsfehler, auch bekannt als unsere Neigung dazu, Informationen zu suchen, zu interpretieren und zu erinnern, die unsere bestehenden Überzeugungen bestätigen, ist ein bekanntes Phänomen in der Wissenschaft. Es ist, als würden wir mit einer rosaroten Brille durch die Welt wandern und nur das sehen, was wir sehen wollen. Um diesem Phänomen zu entkommen, ist es entscheidend, unsere Meinungen zu hinterfragen und nach Beweisen zu suchen, die sie entkräften könnten.


  • Mentale Rechnungslegung: Wenn Geld zu Schubladen wird
    Mentale Rechnungslegung, vergleichbar mit einer inneren Buchhaltung, bezeichnet die Praxis, unser Geld in verschiedene „mentale Konten“ zu unterteilen und Ausgaben zu rationalisieren. Es ist, als würden wir unser Geld in Schubladen aufteilen und es je nach Bedarf herausnehmen. Dabei ist es wichtig, unsere finanziellen Entscheidungen ganzheitlich zu betrachten und uns nicht von vordefinierten Kategorien einschränken zu lassen. Beispiel für mentale Rechnungslegung: Jemand teilt sein Geld in drei mentale Konten auf – Lebenshaltungskosten, Ersparnisse und Freizeit. Sie legen einen bestimmten Prozentsatz ihres Einkommens in jedes Konto und verwenden das Geld entsprechend den zugewiesenen Zwecken. So behalten sie den Überblick über ihre Ausgaben und priorisieren ihre finanziellen Ziele.


  • Hindsight Bias (Rückschaufehler): Ich hab’s gewusst!
    Der Hindsight-Bias bezieht sich auf die Tendenz, vergangene Ereignisse als vorhersehbar oder unausweichlich zu betrachten, nachdem sie bereits eingetreten sind. Es ist leicht, im Nachhinein zu glauben, dass man die Ergebnisse hätte vorhersehen können, obwohl dies in Wirklichkeit nicht der Fall war. Diese Verzerrung tritt auf, weil wir unsere Erinnerung an vergangene Ereignisse mit dem Wissen und den Informationen färben, die wir zum aktuellen Zeitpunkt haben, und nicht mit dem Wissensstand zum Zeitpunkt der Entscheidungsfindung. So neigen wir dazu, vergangene Ereignisse als vorhersehbarer zu betrachten, als sie tatsächlich waren, und unterschätzen dabei die Unsicherheit und Komplexität, die zum Zeitpunkt der Entscheidung bestanden haben.


  • Representative Bias (Repräsentativitätsheuristik)
    Menschen treffen Entscheidungen oft aufgrund von Ähnlichkeiten zu bekannten Beispielen, ohne alle verfügbaren Informationen zu berücksichtigen. Beispielsweise könnten Anleger dazu neigen, eine Aktie zu kaufen, weil sie sich an eine ähnliche Erfolgsgeschichte erinnert fühlen, ohne andere wichtige Faktoren zu berücksichtigen. Es ist daher entscheidend, systematisch alle relevanten Informationen zu analysieren und nicht nur auf oberflächliche Ähnlichkeiten zu vertrauen.


  • Framing Bias (Rahmungsfehler)
    Die Art und Weise, wie Informationen präsentiert werden, beeinflusst oft Entscheidungen. Wenn eine Investmentmöglichkeit als „risikofrei“ dargestellt wird, könnten Anleger dazu neigen, sie zu wählen, obwohl sie immer noch mit Risiken verbunden ist. Daher ist es wichtig, die zugrunde liegenden Informationen unvoreingenommen zu betrachten und sich nicht von der Art und Weise, wie sie präsentiert werden, beeinflussen zu lassen.


  • Familiarity Bias (Vertrautheitsbias)
    Menschen bevorzugen oft vertraute Anlagen, auch wenn sie nicht immer die beste Wahl sind. Zum Beispiel könnten Anleger dazu neigen, in Aktien von Unternehmen zu investieren, die ihnen persönlich bekannt sind, selbst wenn andere Anlagen bessere Renditen versprechen. Um diesem Muster zu entgehen, sollten Anleger eine breite Palette von Anlageoptionen prüfen und nicht ausschließlich auf vertraute oder bekannte Möglichkeiten setzen.

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